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Die Aktivitätskurven des Einzelnen, d.h. die Phasen maximaler und minimaler Vigilanz und Leistungsfähigkeit können individuell sehr unterschiedlich im 24-Stunden-Rhythmus bzw.
Tag-Nacht-Ablauf gelagert sein. Physiologisch besteht im Tagesverlauf bei der Mehrzahl der Menschen am frühen Nachmittag, etwa zwischen 14 und 16 Uhr ein erstes Leistungstief; ein weiterer Leistungsabfall tritt am
Abend etwa gegen 21 bis 22 Uhr ein. Dieser zweite Leistungsabfall nimmt während der Nacht kontinuierlich zu; der Leistungstiefstpunkt wird durchschnittlich gegen 03 Uhr erreicht. Hernach steigt die Leistungskurve
wieder an.
Die Phasen höchster Vigilanz und Leistungsfähigkeit werden mehrheitlich im Laufe des Vormittags und frühen Abends erreicht.
Die obige Graphik demonstriert schematisch die durchschnittlich ermittelbaren prozentualen Schwankungen der persönlichen Leistungsdisposition in Abhängigkeit des
Tag-Nacht-Rhythmus (modifiziert nach Lehmann).
Die dargelegten Zusammenhänge spiegeln sich unter anderem auch in Arbeitsunfallstatistiken wider; so ereignen sich beispielsweise bei Schichtarbeitern die meisten Unfälle und
Fehlreaktionen in der Nacht gegen 03 Uhr und am Tage gegen 15 Uhr.
Unabhängig von diesen mehrheitlich feststellbaren Aktivitäts- und Leistungsschwankungen im 24-Stunden-Rhythmus können im Einzelfall erhebliche Unterschiede im Hinblick auf die
konkreten Aktivitätsrhythmen bestehen. So kann der morgentliche Aktivitätszuwachs in frühere oder spätere Morgenstunden verlagert sein; gleiches gilt für den zweiten
Aktivitätsgipfel am frühen Abend. Auch der mit zunehmenden Abendstunden feststellbare natürliche Leistungsabfall kann je nach Einzelfall zu früherer oder späterer Uhrzeit einsetzen.
Unter Berücksichtigung dieser individuellen Unterschiede wurden die Begriffe des Morgen- und Abendtyps geprägt. Diese Begriffe beschreiben die beiden Extremformen der möglichen
Verlagerungen der Aktivitätskurven; es existieren im Einzelfall fliessende Übergänge zwischen diesen beiden Extremformen.
Der Morgentyp wacht in der Regel morgens frühzeitig auf, ist
direkt leistungsfähig und erreicht sein Leistungsmaximum schon am frühen Morgen. Bereits am Nachmittag hingegen lässt die Leistungskurve im allmählich nach, und schon am frühen Abend
stellt sich eine zunehmende Müdigkeit ein, weshalb der Morgentyp in der Regel relativ früh am Abend schlafgengehen sollte. Die vorstehend gezeigte durchschnittliche
Aktivitätskurve wäre beim Morgentyp nach links, d.h. zu früheren Uhrzeiten verschoben.
Das Gegenstück zum Morgentyp, der Abendtyp, wacht tendenziell später am Morgen auf, ist zunächst weniger
leistungsfähig (typischer Morgenmuffel), um am Nachmittag und Abend zur Hochform aufzulaufen. Folglich setzt beim Abendtyp die Müdigkeit erst relativ spät ein. Die
Aktivitätskurve in der obenstehenden Graphik wäre beim Abendtyp nach rechts, d.h. zu späteren Uhrzeiten verschoben.
Sowohl die Frage, ob man dem Morgen- oder Abendtyp anghört, als auch die Frage, wie hoch das individuelle Schlafbedürfnis liegt, läßt sich relativ einfach zum Beispiel im Rahmen eines
mehrwöchigen Erholungsurlaubs klären, der weitgehend frei von terminlichen Zwängen und Vorgaben sein sollte. Nach einer Übergangszeit von etwa 1-2 Wochen stellt sich in der Regel ein
individueller Eigenrhythmus von Wach- und Schlafphasen ein, der eine Zuordnung zu einem der beschriebenen Schlaftpyen ermöglichen sollte. Auch die tägliche Schlafdauer wird sich auf
einen bestimmten Mittelwert “einpendeln”.
Werden diese Zusammenhänge nicht im alltäglichen Lebensrhythmus umgesetzt, kann sich in Abhängigkeit von konstitutionellen Faktoren ein chronisches Schlafentzugssyndrom mit gesundheitlichen Störungen unterschiedlichster Art und Schwere einstellen.
Copyright:
Prof. Dr. Piper, Meduna-Klinik, D-56864 Bad Bertrich, Tel.: 02674 / 182 0, Fax: 02674 / 182
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